„Pferde für unsere Kinder e.V.“-Interview mit Kerstin Kremser und Lia Knote

Ponypost vom Hummelhof hat eine außergewöhnliche Idee entwickelt, um Kindern Pferde auf eine ganz besondere Art näherzubringen. Mit liebevoll gestalteten Briefen, Geschichten, Bastelideen und Mitmachaktionen erhalten Kinder regelmäßig Post „vom Pony“ und können so eine emotionale Beziehung zu Pferden aufbauen – unabhängig davon, ob sie bereits direkten Kontakt zu einem Pony haben oder nicht.

„Pferde für unsere Kinder“ wollte von Kerstin Kremser und Lia Knote wissen: Wie ist die Idee zur Ponypost vom Hummelhof entstanden? Was begeistert Sie persönlich an der Arbeit für Kinder und mit dem Thema Pferd? Welche Chancen Sie darin sehen Kindern über Geschichten und kreative Mitmachangebote den Zugang zur Pferdewelt zu ermöglichen und warum Pferde so wertvolle Begleiter für Kinder sind?

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Wie ist die Idee zur Ponypost vom Hummelhof entstanden? Gab es ein bestimmtes Erlebnis oder einen besonderen Anlass, der Sie dazu bewegt hat?

Kerstin Kremser: Wir sind eine Familie und mit ähnlichen Werten aufgewachsen. Uns verbindet die Liebe zu Ponys und der Wunsch, gemeinsam etwas für Kinder zu schaffen. Ich selbst betreibe seit 25 Jahren eine Reitschule für Kinder und Jugendliche. Meine Schwester Claudia war dort ebenfalls viel unterwegs und meine Nichte Lia war selbst ein Ponykind, das besonders mit dem Pony Josef verbunden war.

Schnell war uns klar, dass wir keine weitere digitale Welt schaffen, sondern Kinder mit Geschichten und Briefen in eine andere Welt mitnehmen möchten. Dabei kamen unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Ideen zusammen: Lia hat Literaturwissenschaften und Poesiepädagogik studiert, ich bringe meine Erfahrung aus der Pferdewelt ein und meine Schwester Claudia ihre Kreativität und die Werte, mit denen sie Lia und ihren Bruder großgezogen hat. Aus dieser Verbindung entstand schließlich die Idee zur Ponypost vom Hummelhof.

Wir wollten, dass Kinder wieder Briefe bekommen und erleben, dass nicht alles am Bildschirm stattfinden muss. Gleichzeitig wollten wir ihre Fantasie anregen und Dinge in ihnen wecken, die im Alltag heute vielleicht manchmal zu kurz kommen.

Lia Knote: Kurz gesagt, möchten wir die Dinge, die uns in unserer eigenen Kindheit besonders geprägt haben, in die Ponypost einbringen. Bei mir sind das die Fantasie, die Liebe zu Geschichten und natürlich die Pferde. Bei Kerstin stehen die Ponys und Pferde sowie die Arbeit mit Kindern im Mittelpunkt. Bei meiner Mutter Claudia ist es vor allem das Muttersein. Für mich war und ist sie die tollste Mutter, die man sich vorstellen kann. Aus der Verbindung dieser drei Bereiche entstand die Idee zur Ponypost vom Hummelhof.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Was begeistert Sie persönlich an der Arbeit für Kinder und mit dem Thema Pferd?

Kerstin Kremser: Ich habe mich vor 25 Jahren ganz bewusst dafür entschieden, eine Reitschule für Kinder und Jugendliche zu eröffnen und nicht für Erwachsene. Meine Vision ist es, wunderbare kleine Pferdemenschen heranwachsen zu sehen. Bei Kindern hat man die Chance, sie früh zu begleiten, zu prägen und wichtige Grundlagen für ihren späteren Umgang mit Pferden zu legen. Das begeistert mich und ich sehe, dass es Früchte trägt. Viele Kinder sind in meiner Reitschule groß geworden und heute unfassbar tolle Pferdemenschen. Natürlich kann man sie nur ein Stück ihres Weges begleiten, denn wie sie diesen weitergehen, entscheiden sie selbst. Aber wenn man einen guten Grundstein legt und Kindern vermittelt, dass Ponys fühlende Wesen sind und viel mehr als Tiere, die Menschen auf ihrem Rücken tragen, kann daraus etwas Wunderschönes entstehen.

Lia Knote: Ich denke, dass dadurch nicht nur tolle Pferdemenschen, sondern auch tolle Menschen heranwachsen. Ich durfte selbst mit Pferden aufwachsen und habe später erkannt, wie viel ich aus diesem Umgang für mein Leben und den Umgang mit anderen Menschen mitnehmen konnte.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Können Sie uns erklären, wie die Ponypost funktioniert und wie die Geschichten und Inhalte entstehen?

Lia Knote: Die Ponypost ist im Wesentlichen ein Brief-Abo, bei dem die Kinder im besten Fall mindestens drei Briefe von Pony Josef erhalten. Einzelne Briefe können ebenfalls bestellt werden. Jede monatliche Geschichte ist auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt: Im Juli erlebt Josef beispielsweise Dinge, die zu dieser Zeit in der Natur geschehen, im August stehen andere Erlebnisse im Mittelpunkt. So knüpfen die Geschichten an die Lebenswelt der Kinder an und laden dazu ein, anschließend selbst nach draußen zu gehen und die Natur zu entdecken.

Jeder Briefumschlag enthält neben der Geschichte drei Postkarten: eine leere Postkarte mit Pony Josef, auf der die Kinder ihm selbst schreiben können, eine Aktivitätspostkarte mit einem kleinen Schreibspiel oder einer Anleitung für ein Fantasiespiel sowie eine Zauberpostkarte mit ermutigenden Worten.

Die Aktivitätspostkarte können die Kinder allein oder gemeinsam mit ihren Eltern bearbeiten bzw. ausfüllen. Die leere Josef-Postkarte ist für mich das Herzstück der Ponypost, denn sie ermöglicht es den Kindern, selbst mit Josef in Kontakt zu treten und ihm zurückzuschreiben. Dadurch bleiben sie nicht nur passive Leser, sondern können aktiv mit dem Pony Josef kommunizieren. Die Briefe der Kinder versuchen wir im darauffolgenden Monatsbrief mit einer kleinen persönlichen Notiz zu beantworten. Das ist die Ponypost.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: So haben Sie sicherlich schon einige schöne Postkarten von den Kindern erhalten. Welche Entwicklungen konnten Sie bei den Kindern, die Ihre Ponypost regelmäßig erhalten, wahrnehmen?

Lia Knote: Da es die Ponypost erst seit etwa fünf Monaten gibt, lassen sich mögliche Entwicklungen bei den Kindern noch schwer einschätzen. Bisher können wir uns vor allem auf die Rückmeldungen der Eltern und die Briefe der Kinder stützen. Dabei merken wir, wie groß die Vorfreude auf den nächsten Brief ist. Kaum ist eine Geschichte gelesen, freuen sich die Kinder schon auf die nächste. Auch die Eltern haben uns zurückgemeldet, dass sie selbst gespannt auf die Geschichten sind. Außerdem beobachten sie, dass ihre Kinder den Wunsch verspüren, direkt zu den Pferden zu gehen. Dieser Wunsch war teilweise schon vorher vorhanden, wird durch die Ponypost aber offenbar noch verstärkt.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Viele Kinder wünschen sich Kontakt zu Pferden, haben aber keine Möglichkeit regelmäßig einen Reitstall zu besuchen. Welche Chancen sehen Sie darin, Kindern über Geschichten und kreative Mitmachangebote den Zugang zur Pferdewelt zu ermöglichen?

Kerstin Kremser: Dazu kann ich aus meiner eigenen Kindheit erzählen. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Geld nicht im Überfluss vorhanden war und die Möglichkeiten, reiten zu gehen, sehr begrenzt waren. Es gab damals auch deutlich weniger Reitställe. Meine Pferdewelt bestand vor allem aus Begegnungen mit Pferden in der Natur: an Reiterhöfen und Koppeln oder auf den Feldern, zu denen ich mit dem Fahrrad fuhr. Manchmal wartete ich dort stundenlang, bis endlich Reiter vorbeikamen. Außerdem habe ich viele Pony- und Pferdegeschichten gelesen, zum Beispiel die Buchreihe „Kiki“. Das war meine ganz eigene Ponywelt. Natürlich gab es auch gelegentlich Besuche in einer Reitschule, aber das war aufgrund der wenigen Möglichkeiten eher selten. Trotzdem hatte ich als Kind nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Auch ohne selbst Teil einer solchen Pferdewelt zu sein, hatte ich so meine eigene kleine Ponywelt. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass es vielen Kindern mit den Briefen von Pony Josef ähnlich geht. Sie tauchen in eine kleine Welt ein, die sie durch die Geschichten und Mitmachangebote selbst erleben und gestalten können.

Lia Knote: Und aus dieser Fantasiewelt kann dann hoffentlich irgendwann Wirklichkeit werden.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Warum sind Pferde aus Ihrer Sicht für Kinder so wertvolle Begleiter?

Kerstin Kremser: Ich finde es besonders wertvoll, dass Kinder im Umgang mit Ponys erfahren, dass sie nicht beurteilt oder bewertet werden. Sie dürfen einfach sie selbst sein, sich ausprobieren und herausfinden, wer sie sind. Ein Pony spricht nicht und urteilt nicht über einen Menschen. Ich glaube, genau das hat mich schon als Kind so sehr zu den Ponys hingezogen. Die Erfahrungen, die man in der Pferdewelt sammelt, prägen einen und machen einen zu einem anderen Menschen. Das empfinde ich auch heute noch so. Es hat sicher einen Grund, warum wir die Nähe zu Tieren wie Ponys oder Hunden suchen. Bei den Ponys fühle ich mich gut aufgehoben, weil ich dort einfach so sein darf, wie ich bin.

Lia Knote: Für mich sind Ponys zu einer Art Heimat geworden. Sie vermitteln Geborgenheit und das Gefühl, nach Hause zu kommen, ohne irgendwelchen Erwartungen entsprechen zu müssen. Man darf einfach sein, wie man ist. Natürlich kann man mit Pferden reiten, aber genauso schön ist es, einfach Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich finde, diese Erfahrung ist unglaublich wertvoll sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Kinder dieses Gefühl erleben und es ein Leben lang in sich tragen dürfen.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Was sind Ihre zukünftigen Pläne mit der Ponypost vom Hummelhof?

Kerstin Kremser: Wir haben noch viele Ideen, die wir in Zukunft umsetzen möchten. Ein Projekt steht bereits in den Startlöchern: Wir möchten ein ganz besonderes, kindgerechtes Ponywissen entwickeln. Dabei soll es nicht nur um die klassischen Inhalte gehen, die in jedem Pferdebuch zu finden sind. Natürlich gehört auch dazu, welche Bürste man für welchen Körperteil verwendet. Vor allem möchten wir den Kindern aber vermitteln, was Ponys so besonders macht, wie sie miteinander kommunizieren und wie wir mit ihnen umgehen. Außerdem möchten wir den Kindern näherbringen, wo Ponys ursprünglich herkommen, wie sich die Geschichte des Pferdes entwickelt hat und wie die Freundschaft zwischen Mensch und Pferd entstanden ist. Dieses Wissen ist heute vielen Kindern nicht mehr bekannt. Das sind einige der Projekte, die wir über den Winter weiterentwickeln möchten. Darüber hinaus haben wir noch viele weitere Ideen. Zunächst wollen wir aber schauen, wie sich die Ponypost entwickelt und wohin die Reise führt.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Wenn Sie sich eine Sache für die Zukunft der Kinder und des Pferdes wünschen dürften – welche wäre das?

Kerstin Kremser: Ich wünsche mir, dass in Reitbetrieben stärker vermittelt wird, wie wertvoll die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist und dass sie weit über das Reiten hinausgeht. Ponys sind so viel mehr als Tiere, die Menschen auf ihrem Rücken tragen. Gerade bei Kindern sollte die Freundschaft zwischen Mensch und Pferd viel stärker in den Mittelpunkt rücken.

In den vergangenen Jahren hat sich bereits einiges verändert. Auch bei Erwachsenen wächst das Bewusstsein für diese besondere Beziehung und der Blick auf Pferde wird vielfältiger. Trotzdem stehen bei Kindern aus meiner Sicht noch zu häufig Wettbewerb und Leistung im Vordergrund. Natürlich haben auch diese Aspekte ihre Berechtigung. Dennoch sollten diese aber nicht so viel Raum einnehmen, dass andere wertvolle Erfahrungen in den Hintergrund geraten. Genau das würde ich mir für die Zukunft wünschen.

Lia Knote: Da kann ich mich nur anschließen. Ich wünsche mir, dass Neugier, Staunen und Offenheit im Umgang mit Pferden stärker in den Vordergrund rücken. Diese Haltung ist bei jeder Begegnung wichtig und sollte auch im Reitsport eine zentrale Rolle spielen. Wenn es Orte gibt, an denen Kinder Ponys ohne großen Leistungsdruck und feste Erwartungen begegnen dürfen, können alle davon profitieren: die Kinder, die Ponys und hoffentlich auch unsere Gesellschaft.

„Pferde für unsere Kinder e. V.“: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch und Ihr Engagement, Kindern auf so kreative und liebevolle Weise die Welt der Pferde näherzubringen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg mit der Ponypost vom Hummelhof.

Pressekontakt:

Pferde für unsere Kinder e.V.
Lena Lauffer
T: +49 (0) 4296 / 748 74 16
E: vetter@pferde-fuer-unsere-kinder.de

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